... in Frankreich - Tag 13 - Die Küche der Bretagne und die Stadt Pontivy

In unserem heutigen Beitrag möchte ich die kulinarische Welt der Bretagne ein wenig näher betrachten. Grund dafür ist unser Besuch des nahegelegenen Städtchens 'Pontivy'.

Frankreich und ganz speziell die Bretagne ist für eine aussergewöhnlich gute Küche bekannt. Geprägt durch die raue Natur, bietet die bretonische Küche eine Vielzahl interessanter Gerichte.

Das bekannteste ist sicherlich die 'Galette'. Hergestellt wird diese Art von Crêpe aus Buchweizenmehl, einer Pflanze der Knöterichgewächse. Aus dessen Samen wird das Mehl für die Galette hergestellt. Da Buchweizen ein Pseudogetreide ist, kann man es auch bei einer Glutenunverträglichkeit verwenden. Durch den Buchweizen erhält der Teig einen graubraunen Farbton und hat einen leicht nussigen Geschmack. Die hauchdünn gebackenen Fladen werden meist herzhaft gefüllt, wobei der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt sind.



Dazu wird häufig ein Krug Cidre getrunken, ein vergorener Apfelwein. Wir haben diesen probiert, aber auf Grund des starken Hefegeschmacks hat er uns nicht überzeugen können. Witziger Weise geniesst man ihn nicht aus Gläsern, sondern aus Tassen.

Was es überall in Brittany gibt, und dies ist der Lage zum Meer zu verdanken, sind Muscheln, Fisch und Krebstiere aller Art. Diese gehören bei den Bretonen regelmässig auf den Speiseplan. Eines ihre Nationalgerichte sind, die aus Belgien stammenden, Moules-frites. Dabei werden Miesmuscheln in einem Weissweinsud gegart und mit Kräutern, Créme oder Zwiebeln verfeinert.

 

Auch bekannt sind die vielen tollen Gebäckarten, die es hier in der Bretagne gibt. Eine der Hauptzutaten dieser kleinen Leckereien ist 'gesalzene Butter'.
Sehr fein ist der 'Kouign Aman' - ein bretonischer Butterkuchen, der aus einer Art Blätterteig hergestellt wird. Dafür wird ein Hefeteig hergestellt und dünn ausgerollt. Dann wird er mit gesalzener Butter bestrichen und mit Zucker bestreut. Nun werden mehrere Schichten übereinander gelegt und zusammen ausgerollt. Zum Schluss wird der Hefeteig in Streifen geschnitten und zu Schnecken aufgerollt, die dann nochmal mit Butter und Zucker versehen werden. 

Michaels Lieblingsspezialität ist mit Abstand die 'Caramel au Beurre'. Dies ist ein hausgemachter Caramelaufstrich, hergestellt aus Rahm, Zucker und gesalzener Butter. Das Zusammenspiel von süss und salzig ist hier wahnsinnig gut gelungen, so dass man den Aufstrich für Süss-Speisen verwenden oder aber auch zu Käse reichen kann.

 

Und natürlich nicht zu vergessen, die uns als Luxemburgerli bekannten 'Macarons'. Zur Herstellung und Beschreibung muss ich hier, glaube ich, nicht mehr viele Worte verlieren. Nur eines: hier gibt es die Besten!

Kommen wir zurück zum kleinen Städtchen 'Pontivy'. Gegründet wurde die Stadt im 7Jh. durch den Mönch Ivy. Markenzeichen ist das Château de Pontivy, welches im 15Jh. erbaut wurde. Ausserdem ist die Stadt bekannt durch niemand geringeren als Napoleon (himself). Dieser liess hier neben der mittelalterlichen Innenstadt gerade Strassen und Häuser mit neoklassizistischen Fassaden errichten. Die Altstadt ist geprägt durch mittelalterliche Fachwerkhäuser, mit kleinen Erkern und Butzenscheiben. 



 

Wie in ganz Frankreich gibt es auch hier Restaurant mit einer besonders guten französischen Küche, allerdings zu bezahlbaren Preisen und mit vernünftigen Portionen. Ausserdem wird in den Restaurants hier nicht gleich ein Abendkleid und Anzug erwartet.

Wir waren heute Mittag im Restaurant L'Aiglon und wurden nicht enttäuscht. Dieses Restaurant hat eine kleine, aber feine Karte und wir konnten uns gar nicht richtig entscheiden. Macht nichts, denn hier besteht die Möglichkeit, Hauptgänge zu Vorspeisen zu machen und somit verschiedene Gerichte probieren zu können.

Das L'Aiglon (https://laiglon-pontivy.com) entspricht genau unserer Philosophie. Hier kennt man seine Produzenten noch persönlich und sie werden auf der Webseite sogar mit ihren Produkten einzeln vorgestellt. Die Küche ist abwechslungsreich und wird frisch zubereitet. 

Wir entschieden uns für jeweils einer Vorspeise, einem Hauptgang und als krönender Abschluss ein Dessert. Da man zu einem so guten Essen nicht nur Wasser trinken kann, gab es ausnahmsweise am Mittag ein Glas Wein.


TOMATES CONFITES VANILLE-CITRON 
meringue aux herbes, amandes et émulsion mozzarella

Unter dem Mozzarellaschaum befindet sich eine, gehäutete und mit Essig konfierte, Tomate. Der Geschmack dieser Tomate war unbeschreiblich. Hätte ich nicht gewusst, dass es eine Tomate ist, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Es war fruchtig, süss- säuerlich und leicht nussig. Einfach spitze!


TARTARE DE FOIE GRAS
gariguettes, pain cacao

Cremigzarte Entenleberpaté kombiniert mit einer regionalen Erdbeersorte, den Gariguettes. Zusammen mit dem Kakao eine unbeschreibliche Kombination.

MAGRET DE CANARD
aubergines, légumes rôties, framboise

Ente unter einer sehr angenehm nussigen Pfefferkruste mit einer  unfassbar leckeren  Gemüsekomposition aus Aubergine, Radieschen, Perlzwiebeln, Bohnen, Petersilienwurzeln und Rüebli. Und das ganze an einer sehr fruchtigen Himbeersauce.

DOS DE CABILLAUD
chou-fleur, lait ribot, andouille, pommes de terre

Mein Highlight: Kabeljau mit Andouille an Buttermilch und Kartoffelscheiben, dazu gebrannter Blumenkohl. Von dem Topping auf dem Kabeljau ganz zu schweigen - Birne mit Haselnüssen. Eine Offenbarung.

Andouille kannten wir vorher auch nicht. Es ist eine Wurstsorte, die ausschliesslich aus Innereien besteht. Jetzt mögen einige von euch die Nase rümpfen. Doch ihr tut dieser Wurst unrecht. So hauchdünn in Scheiben geschnitten und leicht geräuchert ist es die perfekte Ergänzung zum Kabeljau.


MOUSSE AU CHOCOLAT 
guanaja tiède

Heiss! serviert. Denn diese Mousse wird frisch auf Bestellung zubereitet. Luftig zart und durch die Verwendung von fantastischer Schokolade ist diese Mousse überhaupt nicht süss.

TARTARE ABRICOT BASILIC
lait d’amande, praliné

Tja.....was soll ich euch sagen. Ich, als kein Dessert Fan, habe mir dieses Meisterwerk ausgesucht. Aprikosentartar mit Basilikum auf einer Aprikosencreme. In der Mitte befindet sich eine Kugel Aprikosensorbet, umhüllt von zartschmelzender Haselnussglasur. Dazu gab es einen Schaum aus Mandelmilch.... Hinreissend! Dafür lasse ich alles stehen und liegen.

Morgen verlassen wir unser Quartier 'Gîtes du Lenvos' und reisen weiter an die Küste - nach Roscoff.