... in Frankreich - Tag 15 - Roscoff und Umgebung (70km)

Nach einer sehr erholsamen Nacht freuen wir uns auf das erste richtig gute Frühstück seit Beginn der Reise. Meistens haben wir darauf verzichtet, doch da wir die letzte Nacht im Hotel geschlafen haben, können wir es kaum erwarten bedient zu werden. Doch wir werden schwer enttäuscht. Dieses 4* Hotel mit einer 1* Michelin Küche bietet ein unterdurchschnittliches Frühstück an:
je 1 Sorte Käse und Schinken aus der Verpackung, Lachs, 2-3 süsse Gebäckstücke, Ei aus dem Tetrapack oder hartgekochte Eier, Kaffee (schmeckt wie Spülwasser), Quark, Obstsalat und diverse Brotsorten. Jetzt mag einer sagen: "Klingt doch gar nicht schlecht". Doch, wenn man bedenkt, dass das Restaurant nur mit langer Hose zu betreten ist, die Tische mit langen weissen Tischdecken und mehreren Reihen Besteck eingedeckt sind, der Preis für das Frühstück bei €25 pro Person liegt und der Anspruch des Hotels in der Upper class liegt, dann ist es sehr enttäuschend. 

Aber das ganze Hotel gibt sich sehr abgehoben und es herrscht hier keinerlei Herzlichkeit. Jedes Homestay von AirBnB hat uns da besser gefallen, auch wenn es vielleicht nicht so perfekt war. Aber es steckte immer viel Liebe drin.

Den heutigen Tag wollen wir entspannt in der Umgebung von Roscoff verbringen. Und in 'La Chaise du Curé' finden wir ein gemütliches Plätzchen, um die Seele baumeln zu lassen. Wir sitzen auf einer Bank direkt am Meer, können die Beine hochlegen und dem Treiben auf dem Meer und den Gezeitenwechsel beobachten.

Und während ich hier sitze und den gestrigen Tag Revue passieren lasse, verschwindet das Wasser Zentimeter für Zentimeter, Meter für Meter. Beeindruckend.
Das ist gerade unglaublicher Luxus, hier zu sitzen und zu lesen bzw. zu schreiben, das Meer zu beobachten und sich einfach treiben zu lassen und nichts zu tun. 
Und dies sind so Momente, wo ich einfach nur dankbar bin für mein Leben, für meinen Mann und all den tollen Momenten und Menschen, denen wir gemeinsam begegnen dürfen. Was geht es mir/uns doch gut.

Wisst ihr eigentlich, wie Ebbe und Flut funktionieren? 
Ebbe und Flut oder auch Gezeiten genannt sind die Wasserbewegungen der Meere, die infolge der Gravitation von Sonne und Mond entstehen. Die Gezeiten wirken sich vorwiegend an den Küsten aus. Und es ist schon mega spannend zu beobachten, wenn das Wasser verschwindet. Gleichzeitig gibt es dann einen Ort bei dem das Wasser ankommt und somit Flut herrscht.

Nach einer kurzen Mittagspause im nahegelegenen Morlaix wollen wir auf die vorgelagerte Insel 'Carantec'. Es gibt eine einspurige Teerstrasse auf die Insel, die nur bei Ebbe befahren werden kann. Auch wenn sie noch nicht ganz frei ist, wagen wir es trotzdem. Müssen aber nach der Hälfte abbrechen und zurückfahren. Das Wasser steht noch zu hoch. Aber es sieht schon lustig aus: ein Tesla im Watt und von Sand und Wasser umgeben.

Wir stellen uns Auto am Rand der Strasse ab und begeben uns zu Fuss auf die Insel. Leider sind wir wieder nicht die Einzigen. Doch etwas abseits von den Hauptwegen finden sich noch einsame und ruhige Buchten und Strände. 



Die Insel hat Ähnlichkeit mit der Insel Hiddensee. Sie ist flach und die Vegetation maritim-mediterran. Und es leben sogar Menschen dauerhaft auf dieser Insel. Wir stellen uns das noch sehr speziell vor, wenn dein Tagesablauf von Ebbe und Flut abhängt. Oder dein Transportmittel zur Arbeit ein Boot ist. Es gibt diverse Parkplatze auf der Insel, wo man sein Fahrzeug abstellen darf. Mit einem Camper über Nacht dort zu stehen, ist jedoch verboten.

Mystisch zieht kurz Nebel über die sonnige Insel und verschafft und ein paar tolle Aufnahmen mit der Drohne. Nach weniger als 15min ist der Spuk schon wieder vorbei und die Sonne lacht wieder vom blauen Himmel.

Ich laufe in der Zeit etwas durch das nicht vorhandene Meer und finde zwei Schalen der Jakobsmuscheln. Waaaaaaaahnsinn. Ich freue mich riesig. Sowieso könnte ich den ganzen Tag am Strand damit verbringen, Muscheln und Schneckenhäuser zu sammeln. Dann noch etwas sonnenbaden in einer einsamen Sandbucht, schlafen und lesen. Ruckzuck ist es 17:30 Uhr und wir müssen zurücklaufen, wenn wir nicht auf der Insel übernachten wollen. Es war ein unglaublich erholsamer Tag, der viel zu schnell verging.

Wir verbringen den Abend in einem der tollen Restaurants in Roscoff und freuen uns auf die nächsten Tage in Rennes. Die Bilder vom Essen erspare ich euch an dieser Stelle. Es sei nur soviel gesagt: Es war der absolute Wahnsinn und preislich völlig in Ordnung!