... in Nordvietnam - Ba Ba Lake

Am nächsten Morgen hiess es rein ins Auto und los ging es in unser grosses Abenteuer.

Gleich vorne weg: die ersten zwei Tage dachte ich, dass ich in diesem Auto sterben werde. Aber nicht wegen des Autos oder an Tam, unserem Fahrer, sondern wegen des Verkehrs drum herum. Wie schon im ersten Blog Beitrag erwähnt, werden in Vietnam die Verkehrsregeln nur als Empfehlung ausgelegt. Und so kann es schon einmal vorkommen, dass auf einer zweispurigen Strasse plötzlich vier Autos nebeneinander fahren oder dir kann auch mal eins auf deiner Spur entgegenkommen. 

Wenn es kürzer ist, gegen die Fahrtrichtung zu fahren, dann macht man das. Niemand bleibt stehen, niemand hält an. Aber jeder achtet auf den Anderen und weicht gekonnt aus. Wenn euch allerdings auf der Landstrasse ein Fahrzeug entgegenkommt und Lichthupe gibt, heisst das lediglich: „Ich habe dich gesehen, bremsen werde ich aber nicht…also beeil dich beim Überholen.“

Gleich am Nachmittag des ersten Tages erreichten wir ein verstecktes Paradies, in welches sich kaum ein westlicher Tourist verirrt. Und wenn du dich auf andere Lebensgewohnheiten einlassen kannst und flexibel bist, kannst du hier in eine traumhafte Landschaft mit liebenswerten Menschen eintauchen.

Ba Be Lake - ein See im Zentrum des Nordens, rund 5 Autofahrstunden von Hanoi entfernt. Ein See - 9km lang und circa 35m tief - eingerahmt von Zuckerhutbergen, die in den unterschiedlichsten Grüntönen daherkommen.

 

Wir hatten die Nacht in eines der typischen Homestays gebucht. Homestay, d.h. du übernachtest bei einer vietnamesischen Familie (je nach Region und Komfort haben wir zwischen CHF 9 und CHF 20 pro Zimmer und Nacht bezahlt). Und auf Wunsch wirst du hier mit einem Abendessen in der Familie und einem Frühstück verwöhnt (gegen einen kleinen Aufpreis).
Das Homestay am Ba Be Lake lag etwas erhöht, direkt am See und wir hatten eine traumhafte Aussicht auf die Umgebung. (https://www.booking.com/hotel/vn/ba-be-lake-view-homestay.de.html). Die Zimmer in diesem Homestay waren sehr sauber und recht gross. Wir hatten ein eigenes Badezimmer. Doch wer es noch günstiger möchte, kann sich auch ein Bett im Gemeinschaftssaal mit Gemeinschaftsbad buchen.
Schnell hatten wir unser Zimmer bezogen, und schon ging es los auf’s Boot, um den See zu erkunden. Unser Ziel: ein Höhle am Ende des Sees - die Puông Höhle. 

Die Fahrt auf dem Fluss war unbeschreiblich schön. Absolute Ruhe - nur das Motorengeräusch des Dieselmotors war zu hören. Das seichte Wasser floss unter uns dahin. Links und rechts malerische Landschaften, vereinzelt sah man ein paar Holzhäuser, ringsherum Dschungel und singende Vögel überall. Der Wettergott war uns auch wohlgesinnt und die Sonne lugte durch eine Wolkendecke hindurch. 

Am Ende geht der Sees in einen Fluss über. Die Wasserfarbe ändert sich von grünblau zu rotbraun. Kleine Fischerboote kamen uns tuckernd entgegen. Nach weiteren 3-4km taucht unser Ziel dann endlich hinter eine Flussbiegung auf - die Puông Höhle. 

Es gibt in dieser Region viele dieser Höhlen. Sie entstehen, weil das Gestein der Berge einen hohen Kalkanteil hat und somit über die Jahre ausgewaschen wurde. So entsteht auch diese wundervolle Landschaft - Karstlandschaft.

In der Höhle sind wir, zu unserem Erstaunen, völlig alleine. Eine Treppe und ein kleiner Weg aus Beton führen durch sie hindurch. Ansonsten ist sie nicht touristisch ausgebaut. Kein Geländer, keine Verbotsschilder, kein künstliches Licht - einfach nur wir, die Höhle und die rund 10’000 Fledermäuse. Ein ohrenbetäubendes Geräusch war zu hören. Sie kreischten und flatterten - nur zu sehen bekamen wir sie nicht.

Nach einer ausgiebigen Besichtigung ging es den selben Weg mit dem Boot wieder zurück. Dũng erzählte uns einiges über die Menschen hier, zeigte uns gute Badeplätze (die wir wohl beim nächsten Mal ausprobieren) und brachte uns die ersten Worte und Sätze auf Vietnamesisch bei.

Am Abend sassen wir mit Dũng bei einem reichhaltigen Abendessen zusammen. Es gab Huhn, frittierter Fisch, frisches Obst, Reis, Wasserspinat und Schweinebauch. Völlig erschöpft von den vielen Eindrücken des Tages gingen wir früh schlafen, denn am nächsten Tag wollten wir sehr zeitig zu einer langen Autofahrt in Richtung Cao Bang aufbrechen.